Stimmen und Berichte nach dem Aufstiegsspiel gegen den FC Königsfeld

Eine der Szenen, über die Überlingens Florian Stemmer sicher alles andere als begeistert war: Niklas Blank steht blank vor dem Königsfelder Kasten, doch Torwart Patrick Rominger kann klären.

Es war teilweise eine Abwehrschlacht für Spielertrainer Jörg Holik und seine Königsfelder Mitspieler. Es war ein Zittern, Bangen und Mitfiebern der mitgereisten Fans. Sie waren lautstark während des Spiels zu hören und nach dem Abpfiff erleichtert, denn das Remis lässt der Mannschaft für das Rückspiel alle Optionen. Die Gäste mussten ein halbes Dutzend Schrecksekunden überstehen, denn die beiden besten Überlinger, Torjäger Marc Kuczkowski und Niklas Blank, tauchten immer wieder gefährlich vor dem Tor der Schwarzwälder auf. Allein Blank hätte dem Spiel seine ganz eigene Geschichte geben können. Er lieferte sich ein Privatduell mit Königsfelds Torwart Patrick Rominger. Fünfmal tauchte er allein vor ihm auf – 5:0-Punktsieger blieb der Königsfelder Keeper. „Unglaublich, was er gehalten hat“, sagte der Vereinsvorsitzende Dietmar Eschner nach der Partie und atmete kräftig durch. In der Tat: Blank hätte das Spiel entscheiden müssen. In der fünften Minute stand er allein vor Rominger, in der 38. Minute dribbelte er sich bis an den Fünfmeterraum durch.

Der Ball landete aber nicht im Tor. Unruhe kam dennoch im Königsfelder Lager auf. Bange Blicke, bange Fragen: Halten wir die Null, verhindern wir den Rückstand? Es funktionierte letztlich mit einer geschlossenen Teamleistung. „Kuczkowski und Blank sind Brandherde, die sind nicht 90 Minuten zu verteidigen, das war wirklich sehr schwer“, sagte Coach Holik, als er sich nach dem Abpfiff erst einmal auf den Rasen legte und über den Verlauf nachdachte. Der Spielertrainer zeigte eine Klasseleistung. „Es ist Wahnsinn, wo der Jörg heute überall auf dem Platz herumgelaufen ist“, sagte Eschner lobend. Königsfelds Vereinspräsident Berthold Müller genoss die Überlinger Stadionwurst und analysierte das Spiel kurz und prägnant: „Das 0:0 ist ein gutes Ergebnis. Jetzt freuen wir uns und schauen, was möglich ist.“ Königsfeld hielt dem phasenweisen Dauerdruck der Überlinger mit einer starken Laufleistung, unbändigem Kampfgeist und taktischer Disziplin stand. Der 36-jährige Routinier Lars Flakowski zeigte im defensiven Bereich eine überragende Vorstellung. Überboten wurde er nur von Torwart Patrick Rominger. Der ließ nicht nur Blank verzweifeln, sondern zeigte keinerlei Unsicherheiten. „Ich bin froh, dass der letzte Ball von Julio Cardoso noch an meinen Oberschenkel gegangen ist“, sagte er zur letzten Überlinger Chance in der 93. Minute. Überlingens Trainer Florian Stemmer sagte nach dem Abpfiff: „Unser Manko war die Chancenverwertung. Wir haben ganz stark gespielt. Kein Vorwurf. Wir hatten aber so viele klare Chancen, dass wir hier heute schon alles mit einem 2:0 oder 3:0 hätten klarmachen müssen.“ Die Königsfelder mussten schon nach 16 Minuten die erste Hiobsbotschaft verkraften: Rico Eisensteck blieb im Rasen hängen und verdrehte sich das Knie.

Sichtlich niedergeschlagen sagte er mit Krücken und Kniebandage nach dem Spiel: „Ich habe es krachen gehört, das Kreuzband dürfte ab sein.“ Auf dem Platz hatten die Gäste danach ihr beste Phase. Christian Moosmann bediente bei einem Konter Christian Richter, der schon den Ball am Überlinger Torwart Ronny Palmy-Hockl vorbeigelegt hatte, doch ein Überlinger kratzte den Ball noch von der Linie (20.). Kurze Zeit später parierte der FCÜ-Keeper einen 25-Meter-Freistoß von Stephan Groß glänzend (23.). Und erneut Groß prüfte ihn mit einem ruhenden Ball aus 30 Metern kurz vor der Halbzeit (44.).



Der Königsfelder Tobias Groß (rechts) verhindert den Torabschluss von Niklas Blank, der gefährlichster Überlinger Spieler war. Groß’ Teamkollegen Lars Flakowski (links), Stephan Groß (Mitte) und Yannik Aister beobachten die Aktion.

Überlingens Trainer Florian Stemmer meinte nach der Partie in der Rückschau am Sonntag: "Ein 0:0, mit dem wir leben können, aber ein Spiel, das wir eigentlich mit 4:0 oder 5:0 gewinnen müssen. Das 0:0 ist deshalb für uns natürlich ein bisschen enttäuschend. Wir hatten den Gegner eigentlich über 90 Minuten im Griff, hatten in der ersten Halbzeit drei einhundertprozentige Tochancen, haben ein Spiel auf ein Tor gespielt. Unser Torwart musste in der ersten Halbzeit eigentlich nur einen Ball festhalten. In der zweiten Halbzeit war es weiter ein Spiel auf ein Tor." Dennoch warnte Stemmer davor, den Gegner nächste Woche zu unterschätzen. "Aber wir wollen gewinnen, nichts anderes." In der ersten Halbzeit habe man die drei Chancen teilweise leichtfertig vergeben. "In der zweiten Halbzeit müssen wir zweimal querlegen, dann gewinnen wir das Spiel." Trotz des mageren Ergebnisses bleibt Stemmer optimistisch. "Wir wollen gewinnen und wir müssen halt jetzt nächsten Sonntag dort weitermachen. Und wir wissen: Schießen wir ein Tor, müssen die zwei Tore machen." Mit dem Platzverweis und der damit verbundenen Sperre für Thum könne seine Mannschaft fertig werden. "Zwei wichtige Spieler kehren aus dem Urlaub zurück, unter anderem Alexander Welte. Das ist ein ganz wichtiger Spieler für uns. Hinten rechts müssen wir halt eine Alternative finden, aber wir werden nächste Woche auch 19 Spieler im Kader haben."